Work in Progress

Work in Progress ist eine Veranstaltung der Hamburg Kreativ Gesellschaft mbH Hamburg Kreativ GmbH

Programm

Survival of the Artist

Das performative Seminar “Survival of the artist” mischt künstlerische Ausdrucksformen mit den Interaktionsformen und dem Bildungsauftrag eines Seminars. In Form von Impulsvortrag und gemeinsamen Brainstorming setzen sich “Die Azubis” mit den Seminarteilnehmern zum Thema “Das Arbeitsleben des Künstlers” auseinander und stellen dies durch künstlerische Überhöhungen in einen theatralen Zusammenhang. Dabei schwankt die Szenerie zwischen Dokumentation, Trash und Poesie.

Dramaturgie: Christian Reichel

Die kreative, die schöpferische Zerstörung, ist Grundkonstante des Kapitalismus, und somit des Unternehmerischen. Darin besteht der Kapitalismus, und darin muss auch jedes kapitalistische Gebilde leben. Sie ist das wesentliche Faktum, denn es gibt keine Dauerhaftigkeit, und somit nichts zu verteidigen.
(nach Joseph Schumpeter, in: Wolf Lotter, Die Gestörten, Brand Eins 05/07)

Die sogenannte „Normalbiographie“, darstellbar als dreigeteilte Biographie von Ausbildung – Beruf – Pension (…) war am Künstlermarkt seit jeher kaum vertreten. Vielmehr sind Zyklen aus Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit, unbezahlter Arbeit, Aus- und Weiterbildung etc. Normalität in diesem Berufsfeld. […] Eine Konsequenz dessen ist, das prekäre Arbeits- und Lebensbedingungen in vielen Sparten des Kunst- und Kulturfeldes weit verbreitet sind.
(Report Darstellende Künste, 2010)

Dieses Performativ-Werden von Berufen, sprich dass man eben nicht nur bestimmte Fähigkeit ausführt, sondern sie zugleich mit der ganzen Person verkörpert, stimmt für alle Branchen. Man verwertet weniger das objektive Erlernte als das subjektive Höchstpersönliche: Charme, Aussehen, Spontanität. (…) Früher hat sich der Selbstverwirklichungswunsch gegen die Arbeit gerichtet, Arbeit war Arbeit und Freizeit Freizeit. Inzwischen ist Selbstverwirklichung quasi angeordnet, wenn auch natürlich nicht in allen Industrien. (…) Wenn andere Ressourcen an ihre Grenzen stoßen und sich auch technisch alle demselben Stand nähern, bleibt der Mensch als der Bereich übrig, wo man noch Profite abschöpfen kann, wie jeder Marxist weiß. Außerdem empfinden die Leute es zunächst als sinnvoll, als Fortschritt gegenüber früheren Modellen, ihre Privatkenntnisse und -fähigkeiten in die Arbeit einfließen zu lassen. Der Übergang von dem Moment, wo das freiwillig ist, zu dem, wo es zur Stress und Depression verursachenden Norm wird, ist fließend.
(Diedrich Diederichsen: Authentizität, Baby!, Die Presse, 26.06.2010)